Methoden · Outreach Studio · Juni 2026

Positionierung für Agenturen: Warum sie so selten funktioniert und was sie im Gespräch leisten muss

Die Positionierung vieler Agenturen übersteht den ersten Kontakt mit einem fremden Entscheider nicht. Sie klingt intern schlüssig, landet aber außen nicht — und das rächt sich bei Content, Outreach und im Preisgespräch gleichzeitig.

Viele Agenturen haben eine Positionierung, die intern schlüssig klingt und gut auf dem Papier steht. Das Problem zeigt sich erst im ersten Gespräch mit einem fremden Entscheider: Die Positionierung für Agenturen, die intern funktioniert, übersteht diesen Kontakt oft nicht.

Das hat Konsequenzen, die über die Außenwirkung hinausgehen. Eine Positionierung, die im Gespräch nicht trägt, rächt sich in drei Bereichen gleichzeitig: beim Content, der entweder zu allgemein bleibt oder an den falschen Themen hängt. Beim Outreach, der keine klare Linie hat und deshalb wenig Resonanz erzeugt. Und beim Preisgespräch, das ohne klaren Anker immer in Richtung Tagessatz-Vergleich driftet.

Relevant wird das vor allem, weil viele Agenturen diese drei Bereiche einzeln optimieren, ohne das eigentliche Problem zu lösen. Der Content wird überarbeitet, die Outreach-Sequenz angepasst, ein neues Angebotsformat ausprobiert. Und trotzdem ändert sich wenig, weil das Fundament unklar ist.

Warum Agenturen die Positionierungsfrage umgehen

Die meisten Agenturinhaber haben sich während der Gründungsphase intensiv mit dem Thema beschäftigt. Trotzdem wird der entscheidenden Frage häufig aus dem Weg gegangen: „Für wen möchte ich nicht arbeiten?"

Was ich beobachte, sind drei sehr konkrete Ausweichbewegungen.

  1. Die Angst vor Verlust. „Wenn ich mich zu klar positioniere, verliere ich doch Kunden." Das ist verständlich, vor allem wenn das Geschäft auf einem breiten Empfehlungsnetzwerk aufgebaut ist. Eine zu breite Positionierung reduziert die Zahl potenzieller Kunden zwar nicht, verhindert aber die gezielte Auswahl der idealen Auftraggeber.
  2. Die vage Zielgruppe. „Wir arbeiten für KMU im Mittelstand" oder „für Unternehmen, die wachsen wollen" ist keine Zielgruppendefinition, sondern eine Beschreibung, auf die nahezu jede Agentur passt. Was fehlt, ist nicht die Branche oder die Unternehmensgröße, sondern das Verständnis der konkreten Situation, in der ein Entscheider sitzt, wenn er anfängt zu suchen.
  3. Die interne Positionierung. Die dritte Ausweichbewegung ist am häufigsten und am schwierigsten zu erkennen: Die Positionierung klingt intern richtig, landet aber außen nicht. Sie ist in der eigenen Sprache formuliert, spiegelt die eigene Perspektive, beschreibt die eigene Methode. Für jemanden, der die Agentur noch nicht kennt, ergibt sich daraus kein klarer Unterschied zu den anderen zehn Treffern in der Suche.

Was eine Positionierung für Agenturen im Gespräch leisten muss

Eine belastbare Positionierung muss drei Dinge gleichzeitig können.

  1. Mit Fremden funktionieren, nicht nur intern. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Viele Formulierungen setzen Kontext voraus, den ein potenzieller Kunde beim ersten Kontakt noch nicht hat.
  2. In einem Satz sagbar sein. Nicht als Slogan, sondern als Antwort auf die Frage: „Was macht ihr eigentlich genau?" Wenn diese Antwort drei Minuten braucht, ist sie noch nicht fertig.
  3. Den Preisvergleich schwieriger machen. Nicht unmöglich, aber schwieriger. Solange eine Agentur in der gleichen Kategorie wie fünf andere wahrgenommen wird, ist der Tagessatz der einzige Differenzierungsfaktor.

Wie Agenturen zu einer belastbaren Positionierung kommen

In der Positionierungsarbeit mit Kunden arbeite ich nicht mit stundenlangen Workshop-Formaten oder Marken-Briefs, die danach in der Schublade verschwinden. Der Ausgangspunkt ist eine strukturierte Frage-Sequenz, die der Inhaber asynchron beantwortet, schriftlich, ohne Vorbereitung und ohne Erwartung an perfekte Formulierungen.

Die Fragen zielen nicht auf die Positionierung selbst, sondern auf das, was darunter liegt. Was hast du in den letzten drei Projekten konkret gemacht, und was war danach anders? Was kann ein Kunde nach der Zusammenarbeit, was er vorher nicht konnte? Wann hattest du zuletzt das Gefühl, dass genau das deine Arbeit ist?

Ein Beispiel aus einer dieser Fragen zeigt, warum das funktioniert:

„Wenn ein Wettbewerber über dich spräche, was würde er sagen, das dich ärgert, weil es nicht stimmt oder zu kurz greift?"

Die Antwort enthält meistens mehr Positionierungssubstanz als fünf Stunden klassischer Workshop. Was jemanden ärgert, wenn es falsch beschrieben wird, ist fast immer das, was ihm wirklich wichtig ist.

Aus den Antworten ziehe ich die Essenz raus, formuliere einen Positionierungsentwurf, stimme einmal ab. Das Ergebnis ist eine kompakte Seite, die der Inhaber selbst im Gespräch, im Angebot und als Grundlage für Content verwenden kann. Für Agenturen, die an ihrer Positionierung arbeiten und dabei nicht mit einem mehrtägigen Workshop starten wollen, kann das ein sinnvoller Einstieg sein.


Dieser Artikel wurde von Hans Hirsch geschrieben. Hans Hirsch ist B2B-Marketing-Berater in Berlin und arbeitet mit inhabergeführten Agenturen, Boutique-Beratungen und Freelancern. Zuvor war er in der politischen Kommunikation und für medizinische Fachgesellschaften tätig. LinkedIn-Profil

Wenn du an der Positionierung deiner Agentur arbeitest und einen konkreten Ausgangspunkt suchst, kannst du dich direkt bei mir melden.